Bewegende Uraufführung eines Urgesteins

22.03.2014
Liedermacher Jonathan Böttcher beflügelt mit Musik für Geist und Seele in der Michaeliskirche

Die strahlende Sonne baut leuchtend hell und klar Brücken zwischen Gott und den Menschen: nur ein Gedanke von vielen, die poetisch geflochten die Lieder von Jonathan Böttcher tragen, die intuitiv mitnehmen und eindringlich wie erfrischend Geist und Seele beflügeln. Dies so intensiv, dass die große Zuhörerschar dieses außergewöhnlichen Barden am Samstagabend in der Blankenlocher Michaeliskirche in lichter, freudiger Atmosphäre zu einer bewegten Gemeinschaft verschmolz.

Schon als Böttcher mit Sängerin Bärbel Kunz und Percussionist Bruno Bischler zum melodisch-schwungvollen Auftakt anhob, war zu spüren, dass Musik für diesen Künstler Passion ist und aus dem Herzen kommt. Das mit Leidenschaft und auf ausgesprochen hohem Niveau. Nicht nur sängerisch präsentierte sich Böttcher wohlklingend und souverän mit reicher Ausdruckspalette, sondern bezeugte solche vibrierend eloquent ebenso im meisterlichen Spiel der Gitarre. Illuster und tiefgehend reizte er dies rein instrumental aus, als er „Horizons“ von Genesis dem „Herrn Pfarrer“ (Jörg Seiter) widmete. Dieser hatte bereits eingangs auch mit ihm eigenen Humor seiner Freude über dieses Konzert Luft gemacht. Da schwang bei Seiter auch Stolz mit, dass der bekannte Liedermacher dank langjähriger Kontakte sein neues Programm „Deine Liebe lebt“ nebst gleichnamiger neuer CD gerade in der Michaeliskirchvorstellte.

„Eine Welturaufführung in Blankenloch“, nannte es der Blankenlocher Seelsorger Jörg Seiter schmunzelnd und begab sich gleich noch auf einen kleinen Streifzug zurück zu den Anfängen solch christlich populärer Musik. Zu denen schlug der 1958 in Salzgitter geborene und bei Hamburg lebende Böttcher einen klingenden Bogen. Denn der seit 34 Jahren durch die Lande tourende Berufsmusiker gehört zu den Urgesteinen und begann in seiner „Sturm-und-Drang-Zeit“ als Straßenmusiker von Jesus zu singen. Sein neues Programm und seine CD sind quasi eine Reminiszenz an seine Ursprünge, denn alle Lieder stammen aus der Zeit Mitte 1980er- bis Anfang 1990er-Jahre. Inhaltlich hat der gereifte Musiker daran noch eifrig gefeilt und die Texte zeitgemäß veredelt.

Im Stil indessen blieb er sich weitgehend treu und beglückte sein Publikum auch in Blankenloch mit seinen im Grunde schlicht angelegten und doch so ausgefeilt wirkenden Liedern, die ins Blut gingen, ob sinnlich gefühlvoll oder mit einem munter lebendigem Drive.

Gemeinhin wird Böttcher als christlicher Liedermacher gewürdigt. Doch er selbst weiß hierbei fein zu differenzieren. Er sei schlicht ein Liedermacher, der Christ ist, betont er, ohne bekehren zu wollen. Dies spiegelt sich auch in den Inhalten seiner Lieder wider, in denen der Hobbytheologe den christlichen Glauben völlig unplakativ und ohne missionarischen Impetus ganz natürlich atmen lässt in Geflechten, die von Gottvertrauen und Menschlichkeit künden. Ausdruck fand diese auch am Ende des erfüllenden eintrittsfreien Konzerts mit Benefizcharakter, als die Leute gerne ihre Spende für die Demenzarbeit der Kirchlichen Sozialstation Stutensee-Weingarten gaben und so 463 Euro zusammenkamen. Böttcher selbst ließ es sich dann auch nicht nehmen, zur Freude der Gemeinde gleich noch den gestrigen Sonntagsgottesdienst ebenfalls musikalisch mitzugestalten.

Alexander Werner

 


POETISCH GEFLOCHTENE LIEDER aus Jonathan Böttchers (rechts) neuer CD präsentierte der Liedermacher mit (von links) Bärbel Kunz und Bruno Bischler in der evangelischen Michaeliskirche in Blankenloch.

Foto: Werner

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